Category: Belletristik

Frühling und so

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thumb_fruehlingundsoanais1_158Badewannenstöpsel

Um den Debütroman „Frühling und so“ von Rebecca Martin als lesbar zu empfinden, muss man entweder im Alter von 13, 14 sein und noch mit hochrotem Kopf die Rubrik „Sex, Liebe und Zärtlichkeit“ in der Bravo lesen können, einen ausgeprägten Lolitafetisch für pubertierende Biester haben oder muss zumindest sich noch in einen solchen Zustand zurückversetzen können. Bei mir trifft leider nichts davon zu.

Seicht – lediglich von einigen belustigenden Stilblüten unterbrochen („Der Sex ist wie der Badewannstöpsel, um alle Lust wieder entweichen zu lassen.“, S. 108 ) – plätschert die Geschichte von ihrer Protagonistin Raquel daher – zwischen Yogitee, gelegentlichem Sex und harmlosen Teenieparties. Sie berichtet oberflächlich über ihre erste Liebe, den ersten sexuellen Kontakt und sehr ausführlich über ihre kulinarischen Vorlieben. „Ich weiss nicht, wonach ich suche. Aaron hält meinen Kopf in seinen beiden Händen, stöhnt leise. Ich blase ihm einen, mein Kiefer schmerzt, und ich frage mich, was ich überhaupt hier unten suche.“ (S. 151). Solche Passagen sind weder besonders erotisch, noch besitzen sie in der heutigen Zeit einen schockierenden Aspekt.

Gestrandet

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thumb_gestrandetDie Traurigkeit des armen Lebens

Youssouf Amine Elalamy hat ein Buch geschrieben, dessen Sprache – zumindest in der deutschen Übersetzung – gewöhnungsbedürftig ist, wie auch die Art der mosaikartigen Darstellung. Beides jedoch tut dem Lesen keinen Abbruch. Auch, wenn von „Genuss“ zu sprechen dem Inhalt des Buches Unrecht täte. Denn Genuss soll nicht aufkommen. Das Buch eignet sich nicht für gemütliche Leseabende im Ohrensessel bei Rotwein und Käse. Das Buch ist nicht für die Wohnzimmer der allgegenwärtigen Studienratskaste geschrieben. Es ist ein hartes Buch, brutal manchmal, wirklich, und die Wörter brennen.


Zurecht ist es mit dem Prix Grand Atlas Maroc ausgezeichnet; zurecht loben es die Kollegen vom Le Nouvel Observateur. Denn es ist nicht nur ein durchweg literarisches Buch, sondern auch ein wichtiges.

Der König von Mexico

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thumb_mexicowimmerStefan Wimmer: Die Neo-Beatgeneration

Stefan Wimmer ist ein Lichtblick in der Literatur. Und ich nehme absichtlich keine regionale Abgrenzung vor, denn Wimmer gehört, wenn er die Kraft, den Aufbau und die Lockerheit seines Romanes „König von Mexico“ auch bei kommenden Werken beibehält., auch international zur ersten Garnitur. 

„König von Mexico“ ist ohne Frage der Roman einer neuen Beatgeneration und steht tatsächlich in guter Tradition zu William S. Burroughs mehr noch aber zu Jack Kerouac. Und in der Tat ist auch der „König“ on the road.

Der König säuft, kokst und vögelt sich durch Mexico, er versickert verzweifelt in deutschen Redaktionsstuben, er spricht mit seinem Duschkopf (und selten habe ich die Wirkung von halluzinogenen Pilzen so schön beschrieben gelesen) und kulminiert seinen Roman in einen ebenso hinterhältigen, wie wunderbaren Schluss. Dabei gelingt es ihm, seinen Protagonisten vielschichtig zu charakterisieren und auch die anderen Personen, welche diesen auf seinem Weg begleiten, sind nicht nur gut durchgezeichnet, sondern beginnen zu leben.

Justine & Juliette als Sexobjekte

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Die Handlung spielt keine Rolle Das berühmte Schwesternpaar Justine und Juliette, anhand derer Dichotomie der französische Schriftsteller und Philosophie Marquis de Sade in eingängiger Form seine Philosophie der absoluten Freiheit des Individuums beruhend auf einer materialistischen Weltanschauung darlegte, diente bereits…

Wanderer, kommst Du nach Kapfenberg

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eulit_logoReib! Eisen! Reibeisen.

Ich möchte Sie auf einen Literaturverein hinweisen, der ganz merkwürdiger Weise fast unbekannt ist. Und dabei hätte er es verdient, nicht nur in der österreichischen Presse jenen Wiederhall zu finden, den er verdient.

Europa-Literaturkreis Kapfenberg nennt sich er sich. Kapfenberg ist eine kleine Stadt in der Steiermark, ca. einhundertvierzig Kilometer von Wien entfernt. Und in Kapfenberg gibt es eben diesen Kreis von Menschen, die sich um Literatur mühen und bemühen, sie befördern und doch nicht erwähnt werden. Was ist da los?

Ich habe keine Ahnung. Denn es gibt keinen Grund dafür, den Europa-Literaturkreis nicht zu würdigen. Was sie machen, machen sie gut. Und das will schon etwas heißen in einer Zeit, wo allenthalben gekürzt und gestrichen wird.

Alban Nikolai Herbst

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thumb_herbst_alban_nikolai_4Die Meere der Neuen Moderne

Um es gleich am Anfang dieses viel zu kurzen Artikels zuzugeben: Ich glaube nicht daran, dass es die Postmoderne gibt. Ich glaube auch nicht an Gespenstererscheinungen, Verschwörungstheorien oder die Endgültigkeit des Kapitalismus. Ich bin ein Optimist. Selbstverständlich ist mir bekannt, dass es in Malerei, Literatur, Philosophie und sogar in den Naturwissenschaften die Eigenbezeichnung „Postmoderne“ in einer geradezu unfassbaren Vielzahl von vernünftigen und unvernünftigen Ansätzen gibt. Manche sind recht lustig, andere eher ärgerlich. Mir erscheint der Begriff „Postmoderne“ eine Übernahme populär-musikalischer Unvernunft in die Wissenschaft und in andere künstlerische Genres zu sein: Der manische Zwang zur Aufteilung.

 

Spieler wie wir

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thumb_spielerwiewiranais2Geschickt integriert

Ein großer Teil moderner sadomasochistischer Literatur krankt daran, daß die Autoren (meist sind es Männer) entweder ihre letzte Session nacherzählen oder sich zu mehr oder weniger stark abgewandelten Adoptionen des Klassikers „Geschichte der O“ hinreißen lassen.

Diese Fettnäpfchen umgeht die Autorin Cornelia geschickt. Integriert in einen alltäglichen Plot des Berliner Studentenlebens integriert erzählt die Autorin Cornelia Jönsson in ihrem Debütroman „Spieler wie wir“, der den Auftakt einer Trilogie darstellt, die Geschichte von Paula und Franzi, die in einer gemeinsamen WG in Berlin wohnen und gerade beginnen, ihre sexuellen Vorlieben zu entdecken. Dabei entwirft Jönsson eine komplizierte Dreiecks-Beziehung – ihre Protagonistin unterwirft sich Paula Ann, deren Freund eifersüchtig wird und die auf eine ungesunde Basis hinausläuft.