Category: Belletristik

Leben im Luxus

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Ohne Wörter Im Mitteldeutschen Verlag ist ein Kurzgeschichtenband der Fotokünstlerin Ricoh Gerbl erschienen. Die Stories haben allesamt gute Plots, jedoch: Die Sprache, über welche die Fotografin verfügt, reicht nicht, den Inhalt auch darzustellen. Ständig wiederholen sich Wortschindereien, werden falsche Bilder…

Indien von innen

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indienvoninnen_02Einladung zum Mitstaunen – Rezension

Bei Bildbänden in Kombination mit Text bin ich immer etwas skeptisch, neigen sie – vor allem in Verflechtung mit Lyrik – häufig dazu, das Visuelle zu überfrachten und die Sprache zum Statisten zu degradieren. Positiv überrascht hat mich darum Rainer Thielmanns schöner Bildband, der den Bildern unaufdringlichen Raum zuweist; Raum vor allem für die Phantasie des Betrachters. Statt sich in den Fotografien zu verlieren, folgt man dem Text, der auch graphisch dominiert, und erfährt die mit großer Feinheit und Bedacht ausgewählten Fotos als zusätzliche Dimension der Gedichte.

Thielmann bereiste Indien und hat eine wahre Fundgrube von Eindrücken mitgebracht, die plastisch in diesem Buch widergespiegelt werden. Sowohl Thielmanns Lyrik als auch seine Fotos offenbaren das Land am Ganges auf vielfältige Weise, laden zu einer Reise ein, die dank sehr guter Konzeption leicht fällt, ohne oberflächlich zu sein. Und jene, die schon einmal in Indien waren, entführt das Buch sofort wieder dorthin.

Christa Wolf

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Geburts- und Todestag

Christa Wolf wurde heute achtzig Jahre alt und es ist, neben den Glückwünschen, die ich ihr gerne übermittel, ganz unnötig, den Lobpreisungen, Kritiken, richtigen und falschen Einordnungen, den Vereinnahmungen und Fernhaltungen einen weiteren Artikel zuordnen zu wollen. Christa Wolf gehört zu den, leider, wenigen Autoren, die es geschafft haben auch in der Liederlichkeit bourgoiser Literaturlandschaften, wie jener der Bundesrepublik erhalten zu bleiben, obwohl sie aus der DDR stammt und in ihren Positionen nicht zu jener unkritischen Haltung, zu jener pathologischen Verinnerlichung gefunden hat, die den Erhalt für manchen anderen erst möglich machten. Christa Wolf ist deshalb und nicht nur wegen ihrer verdienten literarischen Erfolge und ihrem Anteil an der Rettung der Sprache vor dem Plot, von existentieller Wichtigkeit für die deutsche Literatur.

Wenn jemand mit einer solchen, nicht nur inländischen Bedeutung
Geburtstag hat, gehen andere Daten verloren. Ich will deshalb am
Geburtstag Christa Wolfs an den Todestag von Hamza Hakimzoda Niyoziy

Kulturmaschinen Leipziger Buchmesse

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plakatkulturmaschinenEine couragierte  Verlagsmutter

Eine Verlagsneugründung scheint so gar nicht zur aktuellen Krise und den immer neuen Hiobsbotschaften zu passen. Der Verlag Kulturmaschinen aus Berlin setzt ein Zeichen gegen die vielen Kassandrarufe und präsentiert sich erstmals auf der Leipziger Buchmesse (Halle 4, Stand C210).

Ein erlesenes erstes Programm zeitloser Literatur macht den Auftakt. Unter den sechs Titeln finden sich junge Talente wie Barbara Gresslehner, die in ihrem aufsehenerregenden Debüt von Lustmorden und manischen Zuständen schreibt, oder der Lyriker Robert Zobel mit seinen gierigen, leidenschaftlichen Gedichten. Im Programm findet sich aber ein Buch des international bekannten Schriftstellers Peter Abraham, des vielleicht bedeutendsten Kinder- und Jugendbuch-Autors der DDR. Mit "Kuckucksbrut" betritt er ein völlig neues Terrain. In "Homo Clausus" erzählt Leander Sukov die Novelle eines Eingeschlossenen. Von ihm sind auch zwei Lyrikbände erschienen.

Ein Mann für die Akademie

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thumb_bild183-r98911Akademie der Künste erwirbt wertvolle Ergänzung zum Heinrich-Mann-Archiv
 
Aus privater Hand erhielt die Akademie der Künste einen der Öffentlichkeit bisher nicht bekannten Teil des Nachlasses von Heinrich Mann. Nach dem Auffinden eines umfangreichen Teilnachlasses in Prag im Jahre 2002 schließen die jetzt aufgetauchten Dokumente weitere Lücken in der Heinrich-Mann-Forschung und geben Aufschlüsse über biographische Details. Das Konvolut umfasst zwei Manuskripte, 16 Briefe von Heinrich Mann und 91 an ihn gerichtete Briefe (u.a. von Alfred Döblin, Roger Martin du Gard, Thomas Mann, Ludwig Marcuse) sowie persönliche Dokumente und Fotos.
 
Am bedeutendsten sind 48 Briefe des französischen Germanisten Félix
Bertaux an Heinrich Mann aus den Jahren 1922 bis 1928. Die
Dokumentation des wohl wichtigsten geistigen Austausches, den Heinrich
Mann über 26 Jahre hindurch führte, wird damit signifikant erweitert.

Frühling und so

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thumb_fruehlingundsoanais1_158Badewannenstöpsel

Um den Debütroman „Frühling und so“ von Rebecca Martin als lesbar zu empfinden, muss man entweder im Alter von 13, 14 sein und noch mit hochrotem Kopf die Rubrik „Sex, Liebe und Zärtlichkeit“ in der Bravo lesen können, einen ausgeprägten Lolitafetisch für pubertierende Biester haben oder muss zumindest sich noch in einen solchen Zustand zurückversetzen können. Bei mir trifft leider nichts davon zu.

Seicht – lediglich von einigen belustigenden Stilblüten unterbrochen („Der Sex ist wie der Badewannstöpsel, um alle Lust wieder entweichen zu lassen.“, S. 108 ) – plätschert die Geschichte von ihrer Protagonistin Raquel daher – zwischen Yogitee, gelegentlichem Sex und harmlosen Teenieparties. Sie berichtet oberflächlich über ihre erste Liebe, den ersten sexuellen Kontakt und sehr ausführlich über ihre kulinarischen Vorlieben. „Ich weiss nicht, wonach ich suche. Aaron hält meinen Kopf in seinen beiden Händen, stöhnt leise. Ich blase ihm einen, mein Kiefer schmerzt, und ich frage mich, was ich überhaupt hier unten suche.“ (S. 151). Solche Passagen sind weder besonders erotisch, noch besitzen sie in der heutigen Zeit einen schockierenden Aspekt.

Gestrandet

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thumb_gestrandetDie Traurigkeit des armen Lebens

Youssouf Amine Elalamy hat ein Buch geschrieben, dessen Sprache – zumindest in der deutschen Übersetzung – gewöhnungsbedürftig ist, wie auch die Art der mosaikartigen Darstellung. Beides jedoch tut dem Lesen keinen Abbruch. Auch, wenn von „Genuss“ zu sprechen dem Inhalt des Buches Unrecht täte. Denn Genuss soll nicht aufkommen. Das Buch eignet sich nicht für gemütliche Leseabende im Ohrensessel bei Rotwein und Käse. Das Buch ist nicht für die Wohnzimmer der allgegenwärtigen Studienratskaste geschrieben. Es ist ein hartes Buch, brutal manchmal, wirklich, und die Wörter brennen.


Zurecht ist es mit dem Prix Grand Atlas Maroc ausgezeichnet; zurecht loben es die Kollegen vom Le Nouvel Observateur. Denn es ist nicht nur ein durchweg literarisches Buch, sondern auch ein wichtiges.