Ein Buch, das glücklich macht!

Lost in Translation

Ein wunderwunderschönes Buch ist bei Dumont erschienen. Es ist so wunderwunderschön, dass es eigentlich ein Wort fürs Wunderwunderschönsein geben müsste. Es gibt aber für Bücher, die so wunderwunderschön sind gar kein richtiges Wort. Deshalb habe ich «wunder» verdoppeln müssen. Einmal «wunder» hätte ja gar nicht gereicht.

Ella Frances Sanders hat dieses wunderwunderschöne Buch gemacht. Es heißt «Lost in Translation» und ist eine Reise durch die zauberhafte Welt der unübersetzbaren Wörter. Dazu kommen wir aber erst gleich. Denn vorher muss ich unbedingt erwähnen, dass dieses Buch auch optisch wunderwunderschön ist und sich also Inhalt und Ansicht kolossal prächtig ergänzen, umarmen und lieben. Übersetzt hat das Buch der unübersetzbaren Wörter Marion Herbert, und die schönen Zeichnungen hat die liebe Frau Sanders ganz selbst gezeichnet.

Das Buch macht von der ersten Seite an Cafuné mit Ihnen, was brasilianisch ist und bedeutet, mit den Fingern durch das Haar eines geliebten Menschen zu streichen. Und das Buch hat ja ganz viele Finger aus ganz vielen Sprachen.

Wenn Sie es lesen, was eigentlich das falsche Wort für das ist, was man mit dem Buch tut, aber «anschauen» trifft es auch nicht, dann werden Sie vielleicht in eine Zeit zurückgeführt, in der die Welt ganz groß und Sie ganz klein waren, eine Zeit, die es so nie gab und an die Sie sich nur deshalb erinnern, weil Sie die Erinnerung erfinden. «Saudade» sagt der Portugiese zu dem Verlangen nach etwas, was es nicht gibt (und vermutlich auch nie gegeben hat). Und dieses wunderwunderschöne Buch hat es darauf angelegt, die Erinnerung genau daran bei Ihnen zu wecken.

Man nimmt dieses Buch zu sich, wie man Pralines isst.  Jedes Wort eine kleine süße Leckerei. Jedes Wort zerschmilzt süß auf dem immer wärmer werdenden Herzen des Lesers. Und Sie werden zu einem «Luftmensch». Ein Wort aus dem Jiddischen für jemanden, der Träumer ist, also in der Luft schwebt.

Wenn Sie das wunderwunderschöne Buch mehrfach durchgeblättert haben und sie den Geschmack aller Wortpralines kennen, dann verschenken Sie es an jemanden, zu dem Sie sagen können: Ya‘ Aburnee. Das ist Arabisch und heißt, sagt das wunderwunderschöne Buch, jemanden so sehr zu lieben, dass man hofft, vor ihm zu sterben, weil es viel zu schwer wäre, ohne ihn zu leben. Und wenn Sie Glück haben, hat jener Mensch dann «kilig», was Tagalog ist (das spricht man auf den Philipinen) und bedeutet Schmetterlinge im Bauch zu haben, weil etwas sehr sehr Romantisches geschieht.

Sie können es aber natürlich auch einfach in der U-Bahn an jemanden verschenken, der Ihnen gefällt und hoffen, ein Tiam in seinen Augen zu sehen, was Farsi ist und das Funkeln in den Augen bedeutet, wenn man sich das erste Mal sieht.

Bitte, bitte, kaufen Sie sich dieses Buch. Es wäre wirklich sehr, sehr schade für Sie, wenn Sie dieses wunderwunderschöne Buch nicht besäßen. Kaufen Sie es gleich. Es wird Sie auf der Stelle glücklich machen!

Ella Frances Sanders, Lost in Translation (Unübersetzbare Wörter aus der ganzen Welt), Dumont Verlag, 18 €, Hardcover


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Leander Sukov

Schriftsteller, wohnt in Ochsenfurt. Studium der Volkswirtschaft (unvollendet). Geschäftsführer und Prokurist bei Unternehmen in Hamburg und Berlin. PR-Manager und Kulturjournalist. Mitglied des Verbandes deutscher Schriftsteller und des PEN Zentrums Deutschland.