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Eine gewisse Tendenz

Eine gewisse Tendenz als vollständiges PDF in einem Stück.
Hier

Termine

MAI
24

24.05.2013 20:00 - 23:00
Dominik Plangger @ Kostbar Thomsdorf

MAI
25

25.05.2013 20:00 - 23:00
Dominik Plangger @ 11-line Potsdam

MAI
27

27.05.2013 19:45 - 22:45
Autorenlesung Michael Kuss "Pariser Mai 68"

MAI
30

30.05.2013
3. PARADIESVOGELFEST

JUN
08

08.06.2013 18:00 - 21:00
Wölfe mitten im Mai. Ein Degenhardt-Abend.

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Die Gottlosen

Andreas Glombik Kein Krischgarten!

Andreas Neus Stück "Die Gottlosen" wurde im Theaterhaus Mitte aufgeführt. Neu hat mit den "Gottlosen" eine gelungene und dichte Tragikkomödie geschaffen, die ganz gewollt und auch nach dem offensichtlichen Bekunden des Autors an Tschechow ankünft. Dass Neu ein guter und in der Anwendung von dramaturgischen Mitteln geschickter Autor ist, wird schnell deutlich: Man erkennt ganz eindeutig Tschechowsche Figuren, aber sie sind beileibe keine Plagiate: Es handelt sich um Neus Charaktäre, nicht um Übernahmen.

Worum geht es? Jährlich im Sommer versammeln sich auf dem Landgut von Anna Petrowna Menschen, die sich kennen. Es bietet sich nicht an, hier von Freunden zu sprechen. Ihre Verletzungen tragen sie wie Schwerter herum, stets bereit damit zuzustechen, die anderen mit den eigenen Verwundungen zu verwunden und auch stets auf der Suche nach einer Art von Glück, von der sie offenbar keine Vorstellung haben. Das einzige, was ihnen darüberhinaus als Band bleibt ist Suff, Lust und Fressen.

Eine solche Gemeinschaft braucht einen, zu dem hinaufgeschaut werden kann, wie zur Krone einer Mauer, an dem man sich reiben kann, der zugleich einen Schutz darstellt, als auch die Ablehnung in sich trägt. Einen den man lieben und verachten kann. Der bedrohlich auf die eigene Idylle wirkt und sie zu gleich aus dem Grau des Daseins ins Bunte hebt. Der, den man sich dazu hernimmt, ist Platonow: Lehrer, verarmter Adliger, Frauenheld, Macho und Weichei. Eine ambivalente, aber nie oberflächliche Persönlichkeit, die um die eigene Unzulänglichkeit weiß, ihr aber nichts entgegensetzen kann, weil der Wille dazu fehlt. Den Platonow spielt grandios und ohne jeglichen Fehler in der Darstellung oder der Art des Sprechens Marco Glombik.

Natürlich ist Platonow ein Frauenheld. Er ist es jedoch auf eine ganz eigene Art. Er ist seinen Liebschaften ausgeliefert und sieht das Ende voraus. Über allen Lieben hängt Tristess. Um diese Figur baut Andreas Neu eine Verstrickung von Schuld auf, die konzentriert und niemals überzogen ist. Er will nichts lehren, er hebt keine Zeigefinger, er schildert einen Ablauf, der von den Figuren nur durchbrochen werden könnte, wenn sie sich aus ihren Zwangsrollen lösen würden. Aber es ist offensichtlich, dass sie es nicht können.

Glombik, der Platonow ist, wie mir Neu sagte, kein Schauspieler, was mich ganz ehrlich überrascht hat. Er ist Musiker. Leider weiß ich weder welche Musik Glombik macht, noch ob sie in ihrer Qualität an die Qualität seiner schauspielerischen Leistung heranreicht. Ich kann also nicht beurteilen, ob es für die Musik ein Verlust wäre, wenn sich Marco Glombik auf die Schauspielerei konzentrierte und die Musik nach Notwendigkeit hinan stellte. Ich weiß aber, dass es ein Verlust für die Bühne wäre, wenn er es nicht täte. Wenn einer ohne Ausbildung so spielen und sprechen kann - wie sehr würde dann sein Spiel noch gesteigert werden, würde er ausgebildet. Meiner Meinung nach muss der Mann in eine Schauspielschule und dann auf die Bretter der großen Bühnen Berlins. Im Ensemble des Gorki, der Schaubühne oder des Deutschen Theaters könnte ich mir ihn gut vorstellen.

Der Antiheld des Stückes aber ist Ossip: Mörder, Räuber und doch als Instanz des Kriminellen in der Gemeinschaft wohlgelitten. Ihn spielt, ebenfalls ohne jeden Fehl und Tadel Sebastian Adler, der mich in seiner Art zu spielen einwenig (ich hoffe beide verzeihen mir den Vergleich, den Vergleiche gehören sich ja nicht) an den jungen Ben Becker. Obwohl der Ossip keine Hauptrolle ist, versteht es Sebastian Adler die wenigen Auftritte zu ganz eigenen Ereignissen zu gestalten. Falls auch Sebastian Adler nicht auf eine Schaupielschule geht, sollte er den Schritt in die Ausbildung bald möglichst nachholen.

Die, welche Neus Stück auf die Bühne stellen, gehören zum Schauspiel-Grundlagenkurs des Winternachtstraum-Vereins. Der Kurs wird, wenn ich richtig informiert bin, von Micheal Gitter geleitet, der auch die Regie führte. Seine Arbeit, das hat die Aufführung deutlich gezeigt, braucht sich nicht zu verstecken: Die da unter seiner Regie auf der Bühne agierten hatten mit Laientheater nichts zu tun.

Das Stück läuft noch am 7., 8., 9., 10., 14., 15., 16. und 17. Mai und dann vom 5. bis zum 7. Juni, jeweils um 20 Uhr im Theater Mitte, Koppenplatz 12 (Nähe Rosenthaler Platz)

Link zur Aufführungsseite

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