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Eine gewisse Tendenz

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25.05.2013 20:00 - 23:00
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27

27.05.2013 19:45 - 22:45
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Gorki-Theater:Die ganze Welt ein Käfig

georg_bchnerWoyzeck ist unter uns

Das fragmentarische Drama "Woyzeck" - Büchner hat es nicht fertigstellen können - ist ganz ohne Frage eines der wichtigsten Stücke des Theaters. Seine Dichte bezieht es aus dem Druckkessel, in dem die Figuren agieren. Woyzeck, der zwei reale Vorbilder hat, einen freigesprochenen Soldaten, der mit dem Säbel seinen Vorgesetzten 1820 angriff und einen hingerichteten Mörder, der seine Frau in Eifersucht erstach, ist die Beschäftigung mit dem Irrsinn, dem Menschen in eben diesem Druckkessel der Verhältnisse verfallen können.

Es gibt viele Möglichkeiten ein Drama wie es Woyzeck ist zu inszenieren. Man kann es durchgängig auf Bücherns poetische Sätze konzentriert tun, und man kann es so inszenieren, wie es Tilmann Köhler getan hat. Er hat es zerhackt, zerlegt und eingekocht.

Aber er hat das Wesentliche bewahrt: Die Gefangenheit aller Beteiligten in den Verhältnissen, den den kleinen Netzen der Macht (Faucoult). Das jedoch ist nur deshalb das Wesentliche, weil Büchner über die gesellschaftliche Kritik ein Drama der betroffenen Individuen gelegt hat. Den was da so faucoult'sch daher kommt, hat das weniger Wesentliche, aber nicht Unwichtige, vergessen: Die gesellschaftlichen Mechanismen. Das ist der einzige Vorwurf den man Köhler machen kann: Er hat den Subtext nicht auf die Bühne gebracht. Ich empfinde die Individualisierung als Verlust. Allerdings empfinde ich die Art der Inszenierung als Gewinn. Sie hat nichts Historisches, sie ist aktuell, weil sie jeden Bezug zur Vergangenheit vermeidet. Und auch das ist ja dem Stück immanent: Die leider immer noch währende Gegenwärtigkeit.

Woyzeck also tötet seine Geliebte. Er tötet sie nur ganz vordergründig aus Eifersucht. Ganz eigentlich aber erfolgt der Mord als Resultat einer Kette von Demütigungen, die ihm zu teil wurden. In der köhlerschen Inszenierung tötet er allerdings nicht mit der Klinge, sondern mit dem Wort und der Tot der Frau wird symbolisiert durch den fallenden Vorhang, der den lebenden Woyzeck von der toten Frau trennt, die im Vorderung bleibt. Der Tot als sichtbares Resultat des gedemütigten Lebens.

Diese Demütigung wird auch durch das Bühnenbild vermittelt: Das Publikum und die Schauspieler sind in einem großen Käfig eingzäunt. Im Viereck des Zauns stehen Käfige, die als verteilte Bühnen dienen. Woyzeck, Marie, Hauptmann und Major, ja alle Akteure mischen sich unter das Publikum. Woyzeck ist unter uns.

Und kraftvoll, nicht nur im sportlichen Sinne, agieren die Schauspieler. Michael Klammer, der Woyzeck agiert authentisch und auch Julischka Eichel, die über ein außerordentliches Talent und über ein hohes Können verfügt, spielt so, wie es sich für diese Inszenierung gehört. Die anderen stehen ihnen in keinem Moment nach. Was die Schauspieler darbieten ist großes Theater. Auch das Bühnenbild von Karoly Risz überzeugt. Lediglich die Musik erscheint mir an manchen Stellen ein sinnloses Dasein zu fristen. Da wäre weniger vermutlich mehr gewesen.

Nichts anfangen wird mit dem Stück der können, der Woyzeck nicht kennt, aber eben Büchnersche Stück in aller Klarheit sehen will. Die Klarheit versagt Tilmann Köhler. Er hat das Fragment neu komponiert. Wer jedoch hervorragendes Theater sehen will, bekommt ein Drama von hoher Dichte, inszenatorischer Brillanz und gutem Spiel.

Nachtrag: Mich erinnert die Art der Aufführung an die Interpretation von "Greensleeves" durch John Coltrane

Maxim Gorki Theater

Woyzeck bei Wiki

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