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Eine gewisse Tendenz

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Belletristik

Der Idealist - Eine Rezension über das neue Buch von Heinrich von der Haar

 

Heinrich von der Haar
„Der Idealist“ Roman
Kulturmaschinen Verlag Berlin, 2013


haar idealist webDer zweite Band einer geplanten Trilogie, nach dem Roman „Mein Himmel brennt.“ Der doofe Heini hat es geschafft, das Abitur im bischöflichen Kolleg in Münster abgelegt und steht nun mit Rucksack, Reiseschreibmaschine und Pappschild „nach Berlin“ an der Autobahnauffahrt. Schon das zweite Auto das ihn mitnimmt ist ein Glückstreffer: Der Fahrer bietet ihm seinen Platz in der WG an – „eine WG mit Frauen und freier Liebe, und beim Streit um die Politik?“ „Alle sind locker drauf!“ Das Leben in Berlin beginnt, das Studium an der Uni, die Abmeldung aus der verhassten katholischen Kirche im Rathaus, die Vorlesungen, der Heiner wie er nun genannt wird, arbeitet sich ein und hoch. Wird Tutor für Marxismusseminare, Fachbereichsrat, usw. Demos, Randale, eben das Berlin der 70erJahre. Hinlänglich bekannt und beschrieben. Ehrlich ist der Autor bei der Erkenntnis der Sinnlosigkeit aller dieser Aktionen, als einer der Mitbewohner nach heftiger Diskussion sagt „In Kuba bekämst du dafür einen schönen Posten“. Alle Klischees dieser Zeit werden ausgebreitet: Partnerwechsel, die Anhaltungen durch die Polizei, die erste Reise ans Meer natürlich ganz romantisch „allein, nur wir zwei mit Wein und Käse an der französischen Atlantikküste,“ der unvermeidliche Thymianduft, usw. Bruch mit Partnerin, neue Bindung, Überdenken der beruflichen Orientierung, Einstieg als Lehrer an einer Berufschule für Handelslehrlinge, Unterricht in den Fächern Wirtschaft und Politik. Mobilisierung der Azubis, sich gegen Unzukömmlichkeiten im Lehrbetrieb zu wehren, Aufruf zum Mitmachen bei Demos gegen die Pershing-Stationierung, natürlich Troubles mit der Schulverwaltung: Recht auf Demos versus Pflicht des Schulbetriebs, Fragen tauchen auf, als Lehrlinge wegen der Teilnahme an der Demo oder wegen Anrufen der Gewerkschaft aus den Betrieben fliegen. Erste Selbstmorde der Betroffenen zwingen den „Idealisten“ zu einem Nachdenken. Die Ehe mit der großen Liebe wird ein Fiasko, die Adoption eines libanesischen Waisenkindes löst die totale Krise in der Beziehung aus. Es kommt was kommen musste: die Trennung von Lisa, Durchschlagen als Alleinerziehender des kleinen Jungen, bis die (ER)Lösung in Form von Ruth kommt. Inzwischen eskalieren die Ereignisse an der Schule, der „Idealist“ versucht mit allen Mitteln (auch mit illegalen) seine Schüler durch die Abschlussprüfung zu bringen. Gerät in die Falle der Türkenmafia, wird brutal zusammengeschlagen und denkt nach, wie es falsch gelaufen ist „ich unterstütze Azubis nur mehr, wenn sie selbst was organisieren!“

Heinrich von der Haar, geb. 1948 im Münsterland, Der Autor erreicht nach Volksschule, Banklehre, Handelsschule das Abitur. Anschließend studierte er in Augsburg und Berlin. Zahlreiche wissenschaftliche Publikationen u. a. zum Thema Kinderarbeit, sowie des Romans „Mein Himmel brennt“

Wie kommt das? Fragt sich der Rezensent nach der Lektüre des zweiten Romans von Heinrich von der Haar. Es ging mir dabei wie seinerzeit mit den Büchern von Franz Innerhofer: Die ersten beiden Bände „Schöne Tage“ und „Schattseite“ rissen mich (und nicht nur mich) zu Begeisterungsstürmen hin. Dann kamen die „Großen Wörter“ und die Leserschaft fragte sich „ist das derselbe Autor?“ Die Parallelen sind auffällig: Eintritt in die Welt der Universität, eben in die Welt der großen Wörter und die Ursprünglichkeit war weg. Abgesehen davon, dass man nach so vielen Jahren mit Recht einmal fragen darf, wen das Soziologenkauderwelsch in der Literatur heute noch interessiert, ist bei von der Haar wenigstens die Erkenntnis da, dass die „Anstrengungen“ sämtlicher Linkslinker eigentlich nutz- und sinnlos waren. Die, auf die es ankam, beispielsweise im vorliegenden Buch die Siemensarbeiter, riefen den bemühten Idealisten trocken zu: „Geht mal selber arbeiten oder macht rüber in den Osten“ das Scheitern der Idealisten wird eingestanden. Die Hilflosigkeit erkannt, aber eben keine Konsequenz daraus gezogen sondern weiter Plakate gemalt, verteilt.
Sprachlich ist das Buch wieder in „Bestform.“ Die Geschichte hat hinlänglich bestätigt, dass die Sprachlosigkeit der „damals Handelnden“ auch eine Ursache des kläglichen Scheiterns der Idealisten war. Sprachlosigkeit in der Form, wie innerhalb der Zirkel kommuniziert wurde und kein Zugang gefunden, zu jenen „auf die es ankam!“ Das ist meisterhaft geschildert, muss aber vom Leser zwischen den Zeilen entdeckt werden, ist ja kein Fehler, sondern macht die Lektüre spannend, verführt zum Weiterlesen. Ein Buch des Scheiterns von Idealisten? Ja, aber auch des Platzen von Utopien. Die Leere, die zurückbleibt macht betroffen, ist aber symptomatisch für die Akteure jener Jahre.

Wer sich nach mehr als 40 Jahren für die Zeit im Berlin der Nachrüstungsdebatte, der Pershing II Demos interessiert, für die Zeit vor dem Mauerfall, für jene Epoche, in der geglaubt wurde, auch mit Pflastersteinen gegen Polizisten, die Welt verändern zu können, wird an diesem zeitgeschichtlichen Dokument seine Freude haben. Es werden sich viele dort wieder finden, die den Marsch durch die Institutionen erfolgreich absolviert haben und heute im Nadelstreif oder im Haus in Grünewald nicht mehr an jene Tage in US-Army-Kleidern zurück erinnert werden wollen. Was leider auch in dieser Schilderung niemals vorkommt: Die Erkenntnis, die viel geschmähten „Bullen“ sind ja auch Teile des Proletariats gewesen und waren trotzdem die personifizierten Feindbilder. Das sind die Brüche der Geschichte, aber auch der Darstellung und der Schilderungen jener Zeit. Es ist das Verdienst des Autors in einem Nebensatz darauf hinzuweisen, dass die Akteure in der Kleidung der verhassten US-Imperialisten herumrannten. In der Kleidung des Klassenfeindes per se! Das sind jene Stellen, welche den Leser, der jene Zeit zwar in der tiefsten österreichischen Provinz erlebt, aber gründlich verfolgt hatte, heute Jahrzehnte später mit einer gewissen Genugtuung erfüllen. Spät, aber doch kamen sie drauf, wie widersprüchlich ihr gesamtes Agieren damals war. Wollte man heute Aktualitäten im Buch suchen? Die Aufgaben der Veränderung der Welt sind nicht geringer geworden, wer Ohren hat zu hören, der höre - die Signale: Ausbeutung gibt es noch immer!

Hans Bäck

"Der Idealist" bei den Kulturmaschinen


 

 

baeckHans Bäck lebt in Österreich. Er ist aktives Mitglied des "Europaliteraturkreises Kapfenberg" und gibt n.a. das Literaturmagazin "Reifeisen" heraus. Von Hans Bäck erschien im Kulturmaschinenverlag das Buch "Lautsprecher in den Bäumen".

Heinrich von der Haar: „Mein Himmel brennt“

 

Heinrich von der Haar: „Mein Himmel brennt“
Roman, Kulturmaschinenverlag Berlin, 2013


haar himmel webEin Bauernsohn aus dem tiefkatholischem, man möchte gerne schreiben, aus dem brutalkatholischem Münsterland erlebt die Brutalität des eigenen Vaters, der Umwelt, der Schulkameraden, der Nachbarn – es gibt eigentlich niemand in diesem Kaff, der nicht bis zum obersten Kragenknopf voll mit Brutalität ist. 10 Geschwister kommen im Laufe des Romans auf die Welt, sind schon vor dem Ich-Erzähler da. Kein eigenes Bett, keine eigenen Spielsachen, aber dafür Arbeit und Prügel, eingesperrt werden. Strafen und Arbeit machen das Leben des Kindes aus. Wenige lichte Augenblicke wo der doofe Heini spielen darf, die Welt entdecken, ja Kind sein kann. Augenblicke, denn umgehend brüllt der Vater „Schweine füttern“ oder andere Arbeiten anordnet. Schule? Mit Einschränkungen, denn die Arbeit am Hof ist wichtiger. Noch wichtiger ist der regelmäßige Gang zur Kirche. Nun beginnt der doofe Heini ein wenig ein eigenes Leben, er wird Messdiener, bereitet sich auf die Erstkommunion vor, erlebt die niederträchtige Welt eines Dorfes nun auch abseits vom heimatlichen Hof. Mit Mühe schafft er acht Klassen Volksschule, gibt nicht auf, besucht Kurse in der Nachbarstadt, die Arbeit wird deswegen nicht weniger, der Vater, die Umwelt nicht weniger brutal. Eintritt in eine Jugendgruppe, Besäufnisse, Vergewaltigung durch einen homosexuellen Jugendleiter, Entdeckung des Zaubers der ersten Liebe, die sofort wieder mit Brutalität vergolten wird. Endlich, die Erlösung? Die Aufnahme in das Kolleg der Kirche in Münster ist geschafft. Doch der Vater unterschreibt für den Minderjährigen nicht, die Arbeit am Hof geht vor. Bis der Himmel brennt: Der Hof brennt, er rettet seinen Vater aus dem brennenden Gebäude. Doch es gelingt dem Heini doch noch, der Falle zu entkommen, er wird im Kolleg aufgenommen, beginnt seine Ausbildung. Doch nur unter der Bedingung, dass er nach dem Abi das Priesterstudium beginnt.
Damit endet der Roman, der auf mehrere Teile angelegt ist. Der Band II „Der Idealist“ liegt bereits vor und die Besprechung folgt demnächst.

Der Autor Heinrich von der Haar ist unschwer als der Junge aus dem Dorf zu erkennen. Geb. 1948 im Münsterland, stimmen die Beschreibungen der Familienverhältnisse, der Dorfgeschichten sicher auch mit der persönlichen
Biografie des Autors überein. Der Autor erreicht nach Volksschule, Banklehre, Handelsschule das Abitur. Anschließend studierte er in Augsburg und Berlin. Zahlreiche wissenschaftliche Publikationen u. a. zum Thema Kinderarbeit.

Das Buch steht in einer langen Reihe der Geschichten aus dem Dorfe. Als österreichischer Leser und Rezensent fällt natürlich Franz Innerhofer ein, dessen Roman „Schöne Tage“ (1976 erschienen), sowie „Schattseite“ (1979) aus dem gleichen Milieu stammen. Aber damit ja nicht genug, diese Geschichten gibt es also nicht nur in den alpinen Kernregionen der österr. Bundesländer, es gibt sie auch im flachen Land, in NRW, und überall, wo Bauern mit allen (wirklich mit allen) Mitteln ums Überleben kämpften, kämpfen. Auch die Emanzipation  vom brutalen, übermächtigen Vater ist kein Alleinstellungsmerkmal irgendwelcher alpiner Regionen, die dörfliche Enge, die Bigotterie der weiblichen unverheirateten (und daher unversorgten) Verwandten, die Durchdringung aller Lebensbereiche mit kirchlichen Vorschriften, all das kennt man als Leser hinlänglich. Also noch ein Roman dieses Genres,  könnte man abschätzig einwenden. Doch glaube ich, so einfach darf man es sich nicht machen. Heinrich von der Haar hat sich auch als wissenschaftlicher Autor den Duktus des Dorfjungen erhalten. Seine Sprache ist die des Dorfes im Münsterland – vielleicht mit den Einsprengseln im Platt für den alpinen Leser etwas exotisch angehaucht – sie ist authentisch. Ja, der Autor beherrscht „seine“ Sprache, es ist schwer, das Buch z. B. um 2h früh wegzulegen, ich musste noch einige Kapitel weiter lesen. Obwohl – siehe oben: Das Sujet ja bekannt ist, oft gelesen, immer wieder erzählt bekommen, versteht es der Autor zu fesseln.

Wer bisher dachte, Brutalität am Lande, Kinderarbeit, Bigotterie und was weiß ich noch alles, komme nur in den abgeschiedenen alpinen Seitentälern vor, sollte zu dem Buch greifen. Es ist keine angenehme Lektüre für den Feierabend, so mit einem Glas Wein daneben. Wer allerdings nach Innerhofer, Brigitte Schwaiger und unzähligen anderen Schriftstellern meint, diese Schilderungen in ihrer Realitätsnähe nicht mehr ertragen zu können, der lasse es besser bleiben. Er/sie wird bestimmt besser schlafen, wenn sie dieses Buch nicht gelesen haben!
Doch das ist kein Qualitätsurteil, eher das Gegenteil, es spricht für die Qualität des Buches, der Sprache, der Authentizität.

Heinrich von der Haar: Mein Himmel brennt (zum Buch)


Hans Bäck

 

Hans Bäck lebt in Österreich. Er ist aktives Mitglied des "Europaliteraturkreises Kapfenberg" und gibt n.a. das Literaturmagazin "Reifeisen" heraus. Von Hans Bäck erschien im Kulturmaschinenverlag das Buch "Lautsprecher in den Bäumen".

Landgericht

 

Ursula Krechel erhält den Deutschen Buchpreis 2012 für ihren Roman „Landgericht“

Börsenverein zeichnet besten deutschsprachigen Roman des Jahres aus / Preisverleihung im Frankfurter Römer vor 300 Gästen

Die Gewinnerin des Deutschen Buchpreises 2012 ist Ursula Krechel. Sie erhält die Auszeichnung für ihren Roman „Landgericht“ (Jung und Jung). „Ursula Krechel erzählt in ihrem Roman Landgericht die Lebensverwicklung des aus dem Exil zurückkehrenden Richters Richard Kornitzer. Er ist vom Glauben an Recht und Rechtsstaatlichkeit durchdrungen und zerbricht, als er in der Enge Nachkriegsdeutschlands den Kampf um die Wiederherstellung seiner Würde verliert. Die Sprache des Romans oszilliert zwischen Erzählung, Dokumentation, Essay und Analyse. Bald poetisch, bald lakonisch, zeichnet Krechel präzise ihr Bild der frühen Bundesrepublik – von der Architektur über die Lebensformen bis hinein in die Widersprüche der Familienpsychologie. Landgericht ist ein bewegender, politisch akuter, in seiner Anmutung bewundernswert kühler und moderner Roman“, so die Begründung der sieben Jury-Mitglieder. Der Jury für den Deutschen Buchpreis 2012 gehören an: Silke Grundmann-Schleicher (Buchhandlung Schleichers, Berlin), Andreas Isenschmid (NZZ am Sonntag), Oliver Jungen (freier Kritiker), Dirk Knipphals (die tageszeitung), Stephan Lohr (Norddeutscher Rundfunk), Jutta Person (freie Kritikerin) und Christiane Schmidt (freie Lektorin).

„Literatur braucht Mut und das in vielerlei Hinsicht“, sagte Prof. Dr. Gottfried Honnefelder, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und Vorsitzender der Akademie Deutscher Buchpreis, bei der Begrüßung der rund 300 Gäste im Kaisersaal des Römers. „Den größten Mut aber haben ohne Frage die Autoren selbst, die ihre Romane der literarischen Preisdebatte gestellt haben. Dafür und für ihre wirkmächtigen Werke möchte ich den für den Deutschen Buchpreis nominierten Autoren und der Autorin danken. Die in den letzten Jahren entstandene deutsche Literatur hat die Probe bestanden, der sie sich mit der Einrichtung des Deutschen Buchpreises gestellt hat. Sie hält jeder literarischen Debatte stand, wirkt weit über die deutschen Sprachräume hinaus und hat eine ganz eigene, nicht mehr wegzudenkende Vernehmbarkeit gewonnen.“

Ursula Krechel hat sich durchgesetzt gegen: Ernst Augustin (Robinsons blaues Haus, C.H.Beck), Wolfgang Herrndorf (Sand, Rowohlt.Berlin), Clemens J. Setz, (Indigo, Suhrkamp), Stephan Thome (Fliehkräfte, Suhrkamp) und Ulf Erdmann Ziegler (Nichts Weißes, Suhrkamp). Sie erhält ein Preisgeld von 25.000 Euro; die fünf Finalisten erhalten jeweils 2.500 Euro. Der Preisträger wurde in mehreren Auswahlstufen ermittelt. Die Jury hat insgesamt 162 Titel gesichtet, die zwischen Oktober 2011 und dem 12. September 2012 erschienen sind. Aus diesen Romanen wurde eine 20 Titel umfassende Longlist zusammengestellt. Daraus haben die Juroren sechs Titel für die Shortlist gewählt.

Mit dem Deutschen Buchpreis 2012 zeichnet die Börsenverein des Deutschen Buchhandels Stiftung zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse den besten deutschsprachigen Roman des Jahres aus. Partner des Deutschen Buchpreises sind Paschen & Companie, die Stiftung der Frankfurter Sparkasse, die Frankfurter Buchmesse und die Stadt Frankfurt am Main. Die Deutsche Welle unterstützt den Deutschen Buchpreis bei der Medienarbeit im In- und Ausland. Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur übertrugen die Preisverleihung live im Rahmen von „Dokumente und Debatten“ auf den LW 153 und 177 kHz, der MW 990 kHz, im Digital-radio DAB+ sowie als Video-Livestream unter www.deutschlandradio.de.

Die kostenlose App des Deutschen Buchpreises bietet Lese- und Hörpro-ben aller nominierten Titel der Longlist zur Verfügung. Exklusive englische Übersetzungen von Leseproben der sechs Shortlist-Titel sowie zu jedem Shortlist-Buch und -Autor ein englischsprachiges Dossier stehen unter www.new-books-in-german.com bereit.

Der Deutsche Buchpreis ist auf Facebook. Infos, Neuigkeiten und Geschichten rund um den Buchpreis unter www.facebook.com/DeutscherBuchpreis.

Weitere Informationen und Termine des Preisträgers rund um die Frankfurter Buchmesse können abgerufen werden unter www.deutscher-buchpreis.de.

Anschluss unter dieser Nummer

 

351px-Max Schler Junge Frau am Telefon"fernsprechende - Lesungen und Ortsgespräche auf der Suche nach der Literatur als Muttersprache" (Diskussionen, Konferenz und öffentliche Lesungen am 6 und 7. Oktober in Berlin, in der "lettrétage")

Auf die Suche nach der Literatur als Muttersprache begeben sich als "fernsprechende" Autorinnen und Autoren am 6.10. und 7.10.2012 in der lettrétage, Methfesselstr. 23-25, 10965 Berlin-Kreuzberg, bei "Lesungen und Ortsgesprächen", die folgenden Schriftstellerinnen und Schriftsteller:  Dana Ranga, Artur Becker, Jan Faktor, Daniela Seel, María Cecilia Barbetta, Konstantin Ames, Claudia Basrawi, Yulia Martutova und Martin Lechner.

 Die öffentlichen Lesungen (EINTRITT FREI) beginnen an beiden Abenden um 19.30 Uhr; die Teilnehmer lesen aus ihren Werken und stellen ihre Positionen zu den Fragen "Was und wie schreiben wir?", "Warum und für wen schreiben wir?", "Ist eine Verständigung anhand von literarischen Texten über sprachliche und kulturelle Grenzen hinaus möglich und, wenn ja, wie?", "Welche Rolle spielt es, in welcher Sprache wir schreiben und leben?" u.a. dar. Moderation: Jörg Sundermeier, Publizist/ Verleger. Die künstlerische Leitung des Projektes hat Tom Bresemann, lettrétage.
Unter Einbeziehung des Publikums soll an den beiden Abenden eine lebendige, vielschichtige und ergebnisorientierte Podiumsdiskussion entstehen: ihr wesentliches Anliegen, der dem vorhergehenden internen Austausch zugrunde liegende Diskurs, soll in der kompakten und konzentrierten Präsentation und Auseinandersetzung vor Publikum Raum finden.
Unter www.fernsprechende.files.wordpress.com und unter www.lettretage.de finden Sie die jeweiligen Abendprogramme für den 6. und den 7.10.2012 und weitere Einzelheiten zu Programm und Teilnehmern.

Über das Unglück, ein Grieche zu sein

 

unglueckeingriecheVon der Nachbarschaft zu Göttern

Der Kunstmann Verlag erfreut dieses Jahr mit der ersten deutschen Ausgabe von Nikos Dimous berühmten, 1975 erstmals publiziertem, Aphrorismenband „Über das Unglück, ein Grieche zu sein“. Gleichwohl der Autor im Nachwort zur deutschen Ausgabe vehement bestreitet, dass der Leser es mit einer lustigen Aphorismensammlung zu tun habe, sondern vielmehr mit einem bitteren Nachdenken über das Unglück der Griechen, ist beides wahr. So amüsant dieses Nachdenken auch ist, so erinnert es im Kern an die Geburt ursprünglicher Dramaturgie; Komödie und Tragödie, die an keinem Ort der Welt derart zu einer Einheit zu verschmelzen scheinen wie in eben dieser Region.

So mancher Südslawe findet sich in den Aphorismen darum ebenso wieder – nicht ohne dass Dimou mit selbstironischem Finger auf der Vermischung der Griechen mit den Slawen hinweist; in einprägsamer, scharfsinniger und gleichzeitig superb unterhaltender Suche nach der griechischen Identität. Das Büchlein bezaubert mit frischen und intelligenten Aphorismen, deren zeitlose, tragische Komik bar jeder schwülstigen Schwere ist. Vielmehr brilliert Tiefe gepaart mit seltener Leichtigkeit, die weite Ein- und Fernblicke gestattet – so ist es also, wenn man Hellas sein Erbe nennt.

„Die These dieses Buches ist, dass beim Neugriechen aufgrund seiner Geschichte, seines Erbes und seines Charakters die Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit größer ist als beim Durchschnitt der anderen Menschen“. Möglich – aber welch andere Gesinnung sollte denn auch die Wiege eines ganzen Kulturkreises bereitstellen? So stellt sich dann auch vor aktuellem Hintergrund nicht die Frage, ob Griechenland versagt hat, sondern vielmehr die zentrale Frage, ob Europa geistig und kulturell ohne den Faktor Chaos überleben kann; sind wir doch mittels Zahlenrechen dabei, unsere Entwurzelung stetig voranzutreiben. Vielleicht ist in Wahrheit das größere Unglück, kein Grieche zu sein.

 

Nikos Dimou: Über das Unglück, ein Grieche zu sein

Übersetzung: Maro Mariolea
Gebundene Ausgabe: 80 Seiten
ISBN-13: 978-3888977657

Antje Kunstmann Verlag

http://www.kunstmann.de

 

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