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Eine gewisse Tendenz

Eine gewisse Tendenz als vollständiges PDF in einem Stück.
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Termine

MAI
20

20.05.2013 18:30 - 21:30
Irene Runge liest in Berlin

MAI
22

22.05.2013 19:30 - 22:30
Heinrich von der Haar liest in Rathenow

MAI
24

24.05.2013 20:00 - 23:00
Dominik Plangger @ Kostbar Thomsdorf

MAI
25

25.05.2013 20:00 - 23:00
Dominik Plangger @ 11-line Potsdam

MAI
30

30.05.2013
3. PARADIESVOGELFEST

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Bühne, Leinwand, Konserve

Max Frisch ganz frisch

thumb_berlin_maxim-gorki-theaterKubanischer Ödipus ohne Komplexe

Großes Theater im Gorki! Die mit unglaublicher Bühnenpräsenz und dennoch mit Leichtigkeit spielende Julischka Eichel und der gleichwertig präsente Peter Kurth überragen das Spiel ihrer Kollegen auch wegen des Stückes und der Rollengewichtung.

Denn eigentlich, trotz der gelegentlich auftretenden anderen Figuren, ist „Ödipus auf Kuba“, die Adaption des „Homo Faber“ ein Stück für zwei Personen. Und da hat man auf die richtigen Schauspieler zurückgegriffen.

Wer Theater liebt und sich bei der gestrigen Premiere nicht in das Spiel von Eichel und Kurth verliebt hat, ist ein armer Wicht, dem nicht mehr zu helfen ist.

Selbstverständlich waren auch Christin König (Helen) und Maria Simon (Ivy) ausgesprochen gut. Jedoch waren ihnen nur kurze Auftritte vergönnt. Denn das Stück ist eine Art „Herr Karl“ mit erweiterter Besetzung.

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Ein guter Schwank

thumb_eva_netz4Der Anfang vom Ende

Sean O'Caseys Stück „Der Anfang vom Ende“, will nicht mehr, als mit der Dämlichkeit zu unterhalten, die Männer in der Lage waren und sind, an den Tag zu legen. Und auf der Vagantenbühne gelingt die Unterhaltung ausgesprochen prächtig.

Mit Reinhard Scheunemann, der ganz ohne Frage ein Schauspieler mit großen Fähigkeiten ist, Jürgen Bierfreund und Anette Daugardt haben die Vaganten ein Dreigestirn auf die Bühne gebracht, durch welche die Farce nie in die Gefahr gerät dümmlich daher zu kommen.

O'Casey macht sowieso Spaß. Mir haben seine Lebenserinnerungen (6 Bände im Schuber sind ein ordentliches Stück Arbeit) eine schlaflose Woche bereitet. Das ist zwar schon ziemlich lange her, aber ich erinnere mich gut daran, alle Termin abgesagt zu haben und mich nur zu den notwendigen körperlichen Verpflichtungen (Essen, Trinken und die Gegenteile) aus dem Lesesessel erhoben zu haben.

Auf einer deutschen Bühne habe ich O'Casey lange nicht mehr gesehen und es ist deshalb doppelt schön – wegen der Aufführung an sich und wegen der Schauspieler im Besonderen – dass die Vagantenbühne das Stück aufführt.

Die Qualität stimmt also, sowohl darstellerisch, als auch in Hinblick auf den Autor. Die Regie ist tadellos. Es lohnt sich hinzugehen und sich einen vergnüglichen Abend zu bereiten.

Vagantenbühne

(Und vielleicht folgt ja "Shadow of a Gunman" in absehbarer Zeit nach).

Anatol ist auch Frau

thumb_anatolJule Böwe sucht die Liebe

Nichts ist einzuwenden gegen Luk Percevals Idee Schnitzlers Anatol durch eine Frau spielen zu lassen. Und Jule Böwe ist ganz sicher die erste Wahl für eine solche Übertragung. 

Überhaupt erinnert Percevals Adaption an das Spiel von Thelonious Monk. Er schafft es einen der Wesenskerne aus dem Stück Schnitzlers herauszustellen, in dem er streicht und die Betonungen anders legt. Damit schafft er einen vergnüglichen Theaterabend, an dem das Publikum nicht nur viel lacht, sondern es, vermutlich unbemerkt, über sich selbst tut.

Anatol, das Stück über die Unerfüllbarkeit von Liebe und Treue, von Erfüllung und Enteinsamung, wird auf intelligente Weise brutalisiert. Auf das Wesentliche reduziert (der Mensch betrügt; in erster Linie sich selbst und sich auch um seine Chance auf Glück) und in einem wunderbar passenden Bühnenbild von Katrin Brack gespielt (es hängen glitzernde Girlanden auf der Bühne - man kann das Glück vor Glamour gar nicht sehen), gelingt Percevals ein gutes Stück.

Jule Böwe, Anatol die Frau spricht geradeaus. Ins Publikum. Ihre Beziehungen sind indirekt, so sehr sie sich auch direkt wünscht. Und Bruno Cathomas, der Anatol liebt und dem sie damit allein schon unerreichbar wird, schafft es an der Grenze der Übertreibung zu spielen, ohne sie zu überschreiten. Alles passt. Und überall ist immerfort Verrat, Verlassenwerden, Verlassensein. Und insofern hat Perceval mit der Reduktion die Erweiterung geschafft: Das ist noch der Anatol von Schnitzler und ist es auch intensiver, als sich eine philosphisch durchgezeichnete Bühnenversion je darstellen könnte. André Szymanski, als jämmerliche Existenz, die erst um Vergebung - er haucht das, während er Jule Böwe unter das Kleid an die Brüste fasst - quängelt und dann später trocken verlasst, gebärdet sich abwesend, kühl und dann, als er im Verlassenwerden selbst verlassen wird, als der andere Verrat seinen übertrumpft, wie ein wilder Tänzer.

Es ist eine gute Inszenierung mit hervorragenden Schauspielern, die vielleicht nicht den Textdogmatikern gefallen wird, sich aber für all jene als ein schönes Theaterereignis darstellt, die, wie ich, intensives Spiel mögen und Werkadaptionen, die auf das Eigentliche der Stücke zurückführen.

 

Prime Time Theater

thumb_tv_pageheadMords Hotel - ein Mords-Spaß

Im Prime Time Theater (direkt am Bahnhof Wedding) läuft "Mords Hotel" - ein Hitchcocktail. Und was das Prime Time bietet ist ein Theaterspaß der keinen Augenblick Langeweile aufkommen läßt. Die Schauspielerinnen und Schauspieler machen ihre Sache hervorragend. Sie spielen mit Freude am Quatsch. Und der Quatsch erinnert streckenweise an Monty Phython, also an die Götter von Slapstick, Nonsens und dem Gegenteil von Schenkelklopfertum.

Mords Hotel ist eine schnelle, irrsinninige und gutgemachte Hommage an Hitchcock. Das Stück lebt durch seine Gags und die verlassen niemals jene Ebene, auf der der Unsinn noch Spaß macht. Da wird nicht mit dem Holzhammer um Lacher gebuhlt. Das ist alles schön organisch.

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November

thumb_450px-berlin-charlottenburg_renaissance-theater_20050226_137Die Chance wurde vergeben

Es hätte ein launiger Theaterabend werden können. Die Idee des Stückes war ohne Frage gut und passt in eine Zeit, in der es solche US-Präsidenten gibt, wie den, unter welchem die Welt derzeit leidet. Aber eine Idee allein reicht leider nicht. Man muss sie auch im Stück umsetzen können. Daran aber scheitert "November" von David Mamet in der deutschen Übersetzung von Bernd Samland. Das Stück ist schlichtweg überladen.

Worum geht es? Ein fiktiver amerikanischer Präsident steht am Ende seiner ersten Amtszeit. Die Umfrageergebnisse sind im Keller, die Kassen sind leer. Nicht einmal für eine ordentliche Bibliothek im Privathaus reicht der Kassenbestand.

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Westwärts im Renaissance Theater

thumb_goldenerwesten2Goldener Westen

Unter der Regie von Frank Hoffmann ist aus Shepards Drama "True West" eine Tragikomödie geworden, die es in sich hat. Und mit Oktay Özdemir und Eralp Uzun wurden zwei Schauspieler gefunden, welche die Chose eloquent und mit einer überschäumenden Spielfreude auf der Bühne lebendig werden ließen.

Nein, ein großes Theater in jener Form, in der Theatralik und Bühnenordentlichkeit herrscht, ist es nicht geworden. Aber eine Aufführung, die all jene, welche wie ich mehr sehen wollen, als langweilige Intellektuellenbühne, begeistern werden. Das war sozusagen das pralle Leben.

Im Hause seiner Mutter, die in Alaska weilt, bewacht Austin, Drehbuchautor, Collegeabsolvent und Träger modischer Anzüge die Pflanzen, als sein Bruder Lee, Landstreicher, Kleinkrimineller und Aussteiger auftaucht um Mutters Reise für einen Diebeszug durch die Häuser der Nachbarschaft zu nutzen. 

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Zauberberg im Gorki-Theater

thumb_thomas_mann_1937Wunder im Gorki-Theater: Zauberberg vollständig entzaubert

Was immer den Regisseur geritten haben mag, erstens diese Bearbeitung von Thomas Manns Roman „Der Zauberberg“ auf die Bühne zu bringen und zweitens in dieser Form, ist letztlich egal. Das Problem liegt nicht im Grund für diese Inszenierung, sondern darin, dass sie stattfand.

Nichts haben der, für die Bühnenbearbeitung des Romans mitverantwortlich zeichende Regisseur und seine Co-Autorin Carmen Wolfram übrig gelassen von einem Werk, dessen inhaltliche Varianz weitläufig ist und dessen Facettenreichtum zumindest verdient hätte, mehr zu sein, als die postmoderne Tragödie, in deren Gewand er langweilig und langatmig auf der Bühne erschien. Von der Entwicklungsgeschichte des Hans Castorp, dieser Übertragung bürgerlicher Entwicklungsromane auf eine schiefe und schiefgehende Ebene, blieb mehr nicht, als ein in Raum und Zeit vor sich hindümpelnder Protagonist, der lediglich über seinen Namen mit der Romanfigur verbunden ist.

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Die Zofen - Volksbühne

Mörderische Zofen

Luc Bondys Zofen sind eine ordentliche Adaption des vielschichtigen Stoffes von Jean Genet. Es gibt andere – auch sie sind ordentlich. Eine anständige, gute und nicht nur handwerklich hervorragende Theaterarbeit wurde an der Volksbühne gezeigt.

Bei Bondys Interpretation des Stoffes wird sich ganz auf die kriminelle Energie der Zofen konzentriert. Er bringt folglich nur eine der möglichen Varianzen auf die Bretter. Das ist, in diesem Falle, selbstverständlich erlaubt und bedingt nicht eine Kritik hinsichtlich der Einengung. Mir hat, das gleich vorweg, die Sache gefallen. So geht es auch – und so ging es gut.

Überragend die drei Schauspielerinnen (Edith Clever - Gnädige Frau -, Caroline Peters - Claire - und Sophie Rois -Solange). Wobei mir Sophie Rois am besten gefiel. Ihr intensives Spiel, ihre immer passenden Gesten und Betonungen, ihre große Bühnenpräsenz -  überragend. Aber weder Edith Clever, noch Caroline Peters standen ihr sonderlich nach. Es war ein runder Theaterabend.

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