Jan Wagner hat sich den Büchner-Preis verdient

Foto: Lesekreis. Herkunft: deutsche Wikipedia

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung verleiht den Georg-Büchner-Preis 2017 an den Lyriker Jan Wagner. Der Preis ist mit 50.000 Euro dotiert und wird am 28. Oktober 2017 in Darmstadt verliehen.

Begründung der Jury:
»Jan Wagners Gedichte verbinden spielerische Sprachfreude und meisterhafte Formbeherrschung, musikalische Sinnlichkeit und intellektuelle Prägnanz. Entstanden im Dialog mit großen lyrischen Traditionen, sind sie doch ganz und gar gegenwärtig. Seine Gedichte erschließen eine Wirklichkeit, zu der Naturphänomene ebenso gehören wie Kunstwerke, Sujets der Lebens- wie der Weltgeschichte, erste Fragen und letzte Dinge. Aus neugierigen, sensiblen Erkundungen des Kleinen und Einzelnen, mit einem Gespür für untergründige Zusammenhänge und mit einer unerschöpflichen Phantasie lassen sie Augenblicke entstehen, in denen sich die Welt zeigt, als sähe man sie zum ersten Mal. Für diese poetische Sprachkunst, die unsere Wahrnehmung ebenso schärft wie unser Denken, verleiht die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung den Georg-Büchner-Preis 2017 an Jan Wagner.«

Jan Wagner, geboren am 18.10.1971 in Hamburg und aufgewachsen in Ahrensburg/Schleswig-Holstein, lebt seit 1995 in Berlin. Sein Werk umfasst Gedichtbände, Essays und Kritiken, Anthologien und Übersetzungen zeitgenössischer englischsprachiger Lyrik. Seine Gedichte wurden in rund dreißig Sprachen übersetzt; er wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Wilhelm-Lehmann-Preis 2009, dem Friedrich-Hölderlin-Preis 2011, dem Kranichsteiner Literaturpreis 2011 und dem Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik 2015.

Jan Wagner studierte Anglistik an der Universität Hamburg, am Trinity College in Dublin und an der Humboldt-Universität Berlin. 2001 erschien mit »Probebohrungen im Himmel« sein lyrisches Debüt. Es folgten die von der Literaturkritik viel beachteten Gedichtbände »Guerickes Sperling« 2004, »Achtzehn Pasteten« 2007, »Australien« 2010 und »Die Eulenhasser in den Hallenhäusern« 2012. 2014 veröffentlichte er die »Regentonnenvariationen«, für die er den Leipziger Buchpreis erhielt; zum ersten Mal ging dieser Preis an einen Lyriker. Im letzten Jahr erschien »Selbstporträt mit Bienenschwarm. Ausgewählte Gedichte 2001-2015«.

Begleitend zu seinem lyrischen Werk ist ein vielseitiges essayistisches entstanden. Im Frühjahr 2017 erschien die Prosasammlung »Der verschlossene Raum«, zuvor 2011 »Die Sandale des Propheten«. Hervorgetreten ist Jan Wagner auch als Übersetzer englischsprachiger Lyrik – darunter von James Tate, Matthew Sweeney, Simon Armitage und Robert Robertson – ebenso als Herausgeber: Von 1995 bis 2003 gab er gemeinsam mit Thomas Girst die Literaturschachtel »Die Außenseite des Elements« heraus, eine Loseblatt-Anthologie zur zeitgenössischen Weltpoesie. 2003 und 2008 folgten umfassende Sammlungen junger deutschsprachiger Lyrik zusammen mit Björn Kuhligk (»Lyrik von Jetzt. 74 Stimmen« und »Lyrik von Jetzt zwei«).

Der Georg-Büchner-Preis
Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung verleiht seit 1951 den Georg-Büchner-Preis an herausragende Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Er wird finanziert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst und der Stadt Darmstadt.


Save pagePDF pagePrint page

Leander Sukov

Schriftsteller, wohnt in Ochsenfurt. Studium der Volkswirtschaft (unvollendet). Geschäftsführer und Prokurist bei Unternehmen in Hamburg und Berlin. PR-Manager und Kulturjournalist. Mitglied des Verbandes deutscher Schriftsteller und des PEN Zentrums Deutschland.