Manifest-Verlag wehrt sich gegen rechtes Kotlüftchen

Am letzten Tag der Leipziger Buchmesse versammelten sich in Halle 5 bis zu 200 Personen, um friedlich gegen die Präsenz des rechten Compact-Magazins zu protestieren (die LVZ berichtete). Mit Sprechchören, Schildern und Bannern machten sie deutlich, dass auf der Messe kein Raum für rassistische und sexistische Ansichten wäre – vor allem, da das diesjährige Motto „Für das Wort und die Freiheit“ lautete und die Buchmesse seit jeher ein Ort der kulturellen und medialen Vielfalt darstellte. Neben dem Manifest Verlag mobilisierten zahlreiche weitere linke Verlage wie „Argument mit Ariadne,“ „Alibri Verlag,“ oder der Berliner „Querverlag“ zu der Aktion.

René Kiesel vom Manifest Verlag meinte dazu: „Wir haben uns spontan dazu entschlossen, die Präsenz von Compact nicht wort- und tatenlos hinzunehmen. Der Rassismus, den dieses Magazin als Sprachrohr von PEGIDA und AffD schürt, sorgt für eine Radikalisierung auf der Rechten und bildet den Zündstoff, der gerade in zunehmenden Gewalttaten gegenüber Geflüchteten und deren Unterkünften explodiert. Dass trotz der kurzfristigen Ankündigung so viele Menschen kamen, ist ein Zeichen, dass viele sich daran stießen, dass Compact ungestört seine rechte Hetze betreibt. Im nächsten Jahr werden wir noch organisierter und politischer vorgehen.“

Auf der Seite des Compact-Standes, der von den Sicherheitskräften des Magazins abgeschirmt wurde, war vor allem der bekannte rechte und wegen Gewalt verurteilte Hallenser Sven Liebich zu hören, der sich als einzelner hinter den Sicherheitskräften aufbaute. Er schaltete einen Livestream auf seiner Seite „In Svens Welt,“ und heizte die Stimmung seiner Leserschaft bereits den Tag über auf. Nach der Aktion teilte er mehrfach Posts der Facebook-Seite des Manifest Verlags, woraufhin ein Shitstorm auf der Verlagsseite entbrannte. In hunderten von Schmähkommentaren auf Liebichs und der Verlagsseite wurden Drohungen ausgesprochen und wüst beleidigt. Der Verlag hat bereits eine Stellungnahme dazu gepostet und viel Solidarität erfahren. Kiesel sagte in Bezug auf die Schmutzkampagne: „Rechte Medien lenken für den wirklichen Ursachen für Krieg, Hunger und Armut ab – dem Kapitalismus – und erweisen den Profiteuren damit einen guten Dienst. Objektiv können die Menschen, die genauso erwerbslos oder prekär beschäftigt wie alle anderen sind, aber den Rechten auf den Leim gehen, kein Interesse daran haben. Wir können nur hoffen, dass sie dies eher früher als später erkennen. Wir werden nicht aufhören, für eine andere Gesellschaft zu kämpfen und reichen allen die Hand, die dies mit uns gemeinsam tun wollen.“

Quelle: Presseerklärung des Verlages.


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Leander Sukov

Schriftsteller, wohnt in Ochsenfurt. Studium der Volkswirtschaft (unvollendet). Geschäftsführer und Prokurist bei Unternehmen in Hamburg und Berlin. PR-Manager und Kulturjournalist. Mitglied des Verbandes deutscher Schriftsteller und des PEN Zentrums Deutschland.