PEGIDA – Versuch einer Erklärung des Phänomenes

neu-tino-schlinzig-pegida-rechtspopulismusVor über zwei Jahren – im Oktober 2014 – begann in Dresden der rechtspopulistische Spuk namens PEGIDA. So erschreckend die Existenz dieser Bewegung ist, so schwer war auch die anfängliche Einordnung selbiger in die Kategorie der, bis dato weitgehend mit linken Inhalten assoziierten Neuen Sozialen Bewegungen.

Gut ein Jahr nach dem Aufkommen jener « Spaziergänge » durch die Dresdner Innenstadt fand das Public Sociology Forum an jenem Ort statt und versucht sich dem Phänomenen zu nähern. Im Zentrum standen Fragen nach Ursachen und Erklärungsansätzen für das, was in dieser Stadt geschieht. In über 20 qualitativ hochwertigen Beiträgen weitgehend von namenhaften Vertreter*innen der Disziplin wird dem Thema nachgegangen – und der Versuch unternommen, dieses braun-populistische Gespenst zu fassen.

Den Auftakt – in Form einer Kontextualisierung des Phänomens – übernimmt Karl-Siegbert Rehberg, ein in Dresden ansässiger Soziologe. Es folgt ein Abschnitt mit Analysen, die sich wiederum in unterschiedliche Bereiche wie Innen- und Außenansichten, oder massenmediale Berichterstattung untergliedern. Hier sind vor allem der Beitrag von Rehbergs Kollegen Joachim Fischer von Interesse, der die Bedeutung Dresdens als Ort für « Stellvertreterdebatten für die Bundesrepublik Deutschland » (53) anhand einiger historischer Eckpunkte thesenartig darstellt, und von Werner J. Patzelt, der ein paar wichtige methodische Anregungen für die Analyse jenes Phänomens wie z.B. eine Klassifizierung der PEGIDA-Demonstrant*innen bietet. Fehlen darf in einer solchen Auflistung auch Dieter Rucht nicht, dessen Forschungen zu Neuen Sozialen Bewegungen in Deutschland maßgeblich waren. Sein Beitrag beschäftigt sich mit der Frage « Inwiefern und warum ist PEGIDA erfolgreich? ».

Der dritte Teil des Sammelbandes besteht aus mehreren Essays – u.a. von Michael Bittner und Ingo Schulze. Damit zeigt sich auch schon, dass an diesem Band nicht nur Soziolog*innen – wobei es sich vorrangig um männliche Kollegen handelt.

Dieses Buch, da kann ich den Herausgebern nur zustimmen, ist sowohl für die Einstiegslektüre als auch für vertiefende Betrachtungen des Phänomens. Es ist die z. Zt. wohl umfangsreichste und ergiebigste Darstellung von PEGIDA. Ein sehr wichtiger Beitrag.

Karl-Siegbert Rehberg / Franziska Kunz / Tino Schlinzig (Hg.): PEGIDA – Rechtspopulismus zwischen Fremdenangst und « Wende »-Enttäuschung? Analysen im Überblick, transcript Verlag Bielefeld 2016, ISBN: 978-3-8376-3658-1, 377 S., Preis: 29,99 €.


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Maurice Schuhmann

Dr. Maurice Schuhmann ist Politikwissenschaftler – mit Schwerpunkt in den Bereichen Politische Ideengeschichte und Politische Soziologie – und Ethiklehrer. Er lehrt derzeit als Lehrbeauftragter an den Universitäten FU Berlin, Universität Hamburg und Universität Stuttgart sowie an der Grone Schule in Berlin.