Sprachen: Amüsant und spannend

Sprache ist ein mysteriöser, ja ein mystischer Raum, in dem sich auch die Soziale Umgebung, die den Sprechenden umgebende Natur, ja auch die historische Entwicklung widerspiegelt.
Gaston Dorren hat über die europäischen Sprachen ein Buch geschrieben, das so unterhaltsam, wie informativ ist, so spannend, wie lustig.
Er zeigt die vielen Ungereimtheiten auf, die die Sprachentwicklung in Europa hervorgebracht hat, forscht der fernen Verwandtschaft von Finnisch und Ungarisch ebenso nach, wie der Verschluderung des Latein im Französischen.
Sprache ist auch der Ausdruck kollektiver Sichtweisen auf die Welt. Und es ist durchaus amüsant zu sehen, wie sich die Sicht eines Grönländers auf die vereiste Welt unterscheidet von der eines Griechen auf die sonnendurchflutete.
Die Eigenarten der indoeuropäischen Sprachen Europas, die durch diese Verwandtschaft auch Beziehungen nach Indien und Persien haben, die zeigen, dass Sinti und Roma ein Fleisch vom Fleische der Perser und der Briten sind, haben sich aus der Geschichte in den Lebensräumen der Völker entwickelt.
Dorren berichtet über die leidgeprüften Aserbeidschaner, deren Sprache so im Fluß ist, dass ein durchschnittlicher Mensch um die Vierzig dort kaum in der Lage ist, die Briefe seiner Eltern zu entziffern, aber auch kaum die Schulhefte seiner Kinder zu lesen.
«Sprachen» berichtet uns vom Zahlenfetisch des Bretonischen, die sich eine ebenso verwirrende, wie die Rechenleistung steigernde Methode für Zahlwörter ausgedacht haben. Und berichtet uns auch von den Samen, die nicht einfach nur Schnee haben, sondern gleich 21 Wörter für Schnee haben (könnten, oder vielleicht auch nicht; es kommt darauf an, man müsste mal darüber sprechen).
Wer sich, wie ich, beruflich mit Sprache befasst, sollte sich das Buch kaufen. Im Buchhandel bitte, wenn es die Chance dazu gibt und nicht online. Ihre Buchhändlerin freut sich über ihren Besuch, oft hält sie Kaffee oder Tee vor und sie können auch gleich mit ihr über Sprache sprechen.

Sprachen, Gaston Dorren, ISBN 978-3-550-08167-5, Ullstein, 368 vergnügliche Seiten, 18 €


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Leander Sukov

Schriftsteller, wohnt in Ochsenfurt. Studium der Volkswirtschaft (unvollendet). Geschäftsführer und Prokurist bei Unternehmen in Hamburg und Berlin. PR-Manager und Kulturjournalist. Mitglied des Verbandes deutscher Schriftsteller und des PEN Zentrums Deutschland.